Alex: Straße bedeutet Freiheit

 

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Alex lebt mit Freundin und Hund auf der Straße. Foto: Sarah Keil

 

Alex, 37, stammt aus Stuttgart-Ludwigsburg.

Wie bist du auf der Straße gelandet?

Mit elf Jahren kam ich ins Heim und machte meine Gärtner-Lehre. Mit 21 bin ich aus dem Heim geflogen, weil ich zu alt war für das betreute Jugendwohnen. Ich lebte danach bei Freunden, während ich zum Internationalen Bund zur Berufsfindung ging. Das hat mir nicht geholfen, weshalb ich danach auf der Straße in zum Beispiel Tübingen und Reutlingen lebte.
Seit dem 15. Lebensjahr habe ich durch das Heim Kontakt zu meinem Vater aufgebaut. Ich ging zu meinem Vater nach Berlin. Ich arbeitete auf einem Recyclinghof, heiratete und ließ mich scheiden.
Ich lebte in diesen Zeiten in eigenenen Wohnungen, im Obdachlosenheim, im Knast oder auf der Straße. Immer im Wechsel. Die Freiheit der Straße hat mich jedes Mal gepackt, wenn ich eine Wohnung hatte. Deshalb lebe ich aktuell mit meiner Freundin auf der Straße, nachdem sie und ich aus dem Knast kamen. In Kürze gehe ich wegen Schwarzfahrens erneut in den Knast.

Was stört dich am Leben auf der Straße am meisten?

Nichts. Ich lebe gerne auf der Straße. Hier bin ich frei, deshalb zieht es mich immer wieder her.

Wo schläfst du eigentlich?

Wir schlafen unter der Brücke.

Wie finanzierst du dein Leben?

Durch Spenden, dem Verkauf vom strassenfeger und dem Sammeln von Flaschen. Ich sammle aber nicht aktiv Flaschen aus Mülleimern oder so, sondern nehme sie mit, wenn sie herumstehen. Wir bekommen manchmal so viel geschenkt, dass wir das selber verschenken müssen. Einiges können wir nicht annehmen, weil es sonst gefriert oder nachts von den Ratten angefressen wird.

Was war dein schlimmstes Erlebnis auf der Straße?

Ich wurde mehrfach von Besoffenen zusammengetreten. Wenn ich tief schlafe, merke ich das nicht einmal.

Hast du Pläne für deine Zukunft?

Wenn es meiner Freundin und meinem Hund gut geht, bin ich glücklich. Ich möchte auch wieder eine eigene Wohnung haben und diese trotz meines Drangs nach Freiheit halten. Man sehnt sich danach, abends nach Hause zu gehen und zu sagen: „Man hat’s geschafft.“ Doch für meine Freundin ist eine Wohnung gerade keine Option. Ich hätte auch gerne einen Job, einen, der mir gefällt und bei dem ich bleiben möchte.

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