Obdachlos von Paris nach Berlin: Aurie

Aurie, 27-jähriger Franzose, war schon in Paris obdachlos. Seit seinem 17. Lebensjahr lebt er auf der Straße – fast 8 Jahre in Frankreich, und jetzt auch in Deutschland.

Vor zweieinhalb Jahren ist er nach Berlin gekommen. Kurze Zeit später fand er, wie er sagt, eine Familie auf der ehemaligen Brachfläche in der Cuvry-Straße. Dort verbrachte er zwei Jahre. Als die Brachfläche geräumt wurde verlor er erneut sein Zuhause. Dies ist nun drei Monate her. Seitdem leben er und sein Hund Brini wieder auf der Straße. Aurie kämpft – wie viele Obdachlose – mit Alkoholismus und Depressionen.

Wie bist du auf der Straße gelandet?

Ich habe die Schule abgebrochen als ich 17 Jahre alt war. Danach bin ich daheim ausgezogen und habe bei Freunden gewohnt. Das war in Paris. Ich habe viel gefeiert und war immer viel betrunken. Seit dem habe ich nicht mehr in einer eigenen Wohnung gelebt. Ich war viel in besetzten Häusern und bei Freunden unterwegs. Doch die meiste Zeit habe ich auf der Straße gelebt.

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Was stört dich am Leben auf der Straße am meisten?

Die Menschen, die nicht auf der Straße leben. Viele behandeln uns Obdachlose ohne Respekt, als wären wir nichts wert. Wenn du in Paris obdachlos bist, ist das fast noch schlimmer als hier in Deutschland – da sind die Passanten richtig ablehnend.

Wo schläfst du momentan?

Ich schlafe draußen, auf der Straße – meistens hier, am Kottbusser Tor. Es ist schon sehr kalt mittlerweile, aber ich habe ein paar Decken. Außerdem habe ich meinen Hund Brini. Er wärmt mich nachts. Das Schlafen draußen finde ich nicht so schlimm, viel schlimmer ist meiner Meinung nach das Aufwachen in der Kälte.

Wie finanzierst du dein Leben und das deines Hundes?

Ich gehe jeden Tag betteln. Ich laufe durch die U-Bahn oder sitze an meinem Platz am Kotti. Viel ist es nicht, was ich dadurch bekomme, aber es reicht um mich und meinen Hund zu ernähren. Wenn ich mal ein paar Tage nur sehr wenig zu essen hatte, gehe ich zum Betteln zur Friedrichstraße. Da bekomme ich mehr Geld. Manchmal erhalte ich auch Essen von Restaurants, wenn ich um Reste bitte.

Was war dein bisher schlimmstes Erlebnis auf der Straße?

Das kann ich nicht genau sagen. Es gibt immer mal wieder Menschen, die einen schlecht behandeln. Am meisten bereue ich, dass ich nach meinem Schulabbruch damals auch mit dem Fußballspielen aufgehört habe.

Ich war ein richtig guter Spieler und hatte die Möglichkeit bei einem guten Verein zu spielen. Doch damals war es mir wichtiger, mit Freunden zu trinken und zu rauchen. Jetzt kann ich kein Fußball mehr spielen. Ich habe einen kranken Fuß und kann nicht mehr rennen. Ich glaube, mein Fuß ist schlecht durchblutet.

Hast du Pläne für die Zukunft?

Ich habe keine Pläne mehr. Ich lebe von einem Tag zum nächsten. Wenn es richtig kalt wird, werde ich versuchen bei einem Freund unterzukommen. Doch ich weiß nicht wo er ist, und ich habe ihn schon lange nicht mehr gesehen.

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