Die Freunde vom Bahnhof Zoo

Dirk und Gollum sind obdachlos und seit Jahren enge Freunde. Die beiden halten sich tagsüber hauptsächlich am Bahnhof Zoo auf. Dort treffen sie fast im Minutentakt Freunde und Bekannte. Man kennt sich eben, auf der Straße.

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Die Freunde vom Bahnhof Zoo: Gollum, Dirk und Reinhardt (v.l.),  Foto: Christopher Haacker

Auf der Suche nach einem Interviewpartner stoßen wir auf Reinhardt, der sich dazu bereit erklärt, mit uns zu sprechen. Das Gespräch findet im Eingangsbereich des Bahnhof Zoo statt. Sofort stoßen zwei Freunde von Reinhardt dazu. Sie wollen wissen, wer wir sind und warum wir ihren Kumpel interviewen. Sie passen auf ihn auf.

„Ich mag die Menschlichkeit auf der Straße“

Freiheit finden Dirk und Gollum in der Gruppe. Einer Gruppe, die ständig im Wandel ist: Mal kommt Dennis dazu, mal Jörg oder wieder ein anderer. In unserem Interview spricht Reinhardt von einer Einstellung, die wir kurze Zeit später am eigenen Leib erfahren: „Ich mag die Menschlichkeit auf der Straße.“
Diese Menschlichkeit äußert sich in den Geschichten der Obdachlosen – aber auch in den Momenten, in denen wir die Kamera auspacken. Die Obdachlosen posieren fröhlich und haben sichtlich Spaß in der Gruppe – und mit uns. Tag und Nacht verbringen sie Zeit zusammen und passen aufeinander auf.

Zusammenhalt rettet Leben

Die Loyalität auf der Straße sollte sich für Dirk schon Monate früher als lebensrettenden Vorteil herausstellen: Eines Tages schlief er, eingewickelt in seinen Schlafsack, ein und wurde von drei Personen mit Benzin übergossen und angezündet. Gollum, der gerade dazu stieß, sah, wie sein Freund brannte. Geistesgegenwärtig weckte er Dirk und stieß ihn in die nahegelegene Spree. Gollum hat Dirk damit sein Leben gerettet. Gemeinsam warteten die beiden anschließend auf die Polizei und einen Krankenwagen. Die Täter konnten gefasst werden. Die Wachsamkeit seines Freundes hat Dirk das Leben gerettet.

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Eine Schulter zum Anlehnen zu kennen ist für Dirk wichtig. Foto: Christopher Haacker

„Wir sind alle liebe Menschen“

Zum Abschluss möchte Dirk noch einen Appell an all unsere Leser richten:

„Jetzt mal im Klartext: Diejenigen, die uns Obdachlosen verurteilen, sind keine Menschen für mich. Wir selbst sind die Menschen, die anderen Menschen helfen. Wir halten zusammen, wir sind freundlich und hilfsbereit. Wenn eine Frau am Bahnhof steht und mit ihrem Kinderwagen nicht weiterkommt, sind wir diejenigen, die den Kinderwagen die Treppe runtertragen. Alle anderen laufen nur vorbei. Wir sind keine bösen Kreaturen- also verachtet uns nicht! Wir sind liebe, freundliche Menschen!“

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Die Freunde vom Bahnhof Zoo schätzen die Menschlichkeit auf der Straße sehr. Zu ihnen gehören Reinhardt, Dirk und Gollum. (v.l.) Foto: Christopher Haacker

 

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