Ernie: Menschen kennen keine Werte mehr

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Ernie und sein Kumpel Bert (v.l.n.r.) leben auf der Straße. Ihre richtigen Namen wollten die fröhlichen Obdachlosen Unbeachtet.org nicht verraten.

Ernie* ist 42 Jahre alt und ein Kind des Ostens. Gelernter Schneider, lebt er seit zehn Jahren auf der Straße – meist gemeinsam mit seinem Kumpel Bert*. Er kritisiert, dass die Menschen ihre Werte zugunsten materieller Dinge abgelegt haben.

Wie bist du auf der Straße gelandet?

So genau kann ich das nicht sagen. Als Kind war ich ein Mauerblümchen, als Jugendlicher ein klassisches Opfer – und heute eine Marionette der Regierung. Seit fast zehn Jahren bin ich nun schon obdachlos.

Was stört dich am Leben auf der Straße am meisten?

Mich stört, dass sie die Öffnungszeiten der Tagesstätte gekürzt haben – dort waren wir vor allem in der Winterzeit gerne. Und dass es nicht genügend Schlafplätze in den Notunterkünften gibt. Jetzt können wir nämlich alle wieder selber gucken, wie wir klar kommen.

Mir fehlt einfach die Menschlichkeit: Alles wird heutzutage vom Geld regiert, die meisten Menschen kennen keine Werte mehr. Aber was ist mit denen, die kein Geld haben? Die haben keinen Platz in dem System.

Wo schläfst du?

Bert* und ich schlafen hier draußen, unter einer Brücke.

Wie finanzierst du dich?

Ich beziehe Hartz4, aber hin und wieder kommen freundliche Leute vorbei und legen Geld, Essen oder Decken neben unseren Schlafplatz.

Was war dein schlimmstes Erlebnis auf der Straße?

Die zehn Jahre habe ich eigentlich gut überstanden, ich nenne sie Meine goldenen Zeiten. Natürlich gibt es von Zeit zu Zeit Schläge, und einmal hatte ich sogar einen schweren Autounfall.
Im Grunde genommen war aber auch das ein schönes Erlebnis: Ich habe nämlich das Jenseits gesehen. Habt ihr das Jenseits schon mal gesehen? Es ist wunderbar.

Hast du Pläne für die Zukunft?

Ich habe einen Leitsatz, den ich mir immer wieder vorsage: Sage in deinem Leben niemals nie.
Ich träume davon, den Winter zu überstehen und wieder gesundheitlich in die Gänge zu kommen. Aber im Augenblick genieße ich vor allem das Gefühl in der Gemeinschaft, und dass wir hier so zusammensitzen. Mir fehlt manchmal ein bisschen Zuwendung.

 

*Namen geändert

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