Fußball mal anders: Die Weltmeisterschaft der Obdachlosen

Vom 19. bis 26. Oktober 2014 fand in Santiago de Chile der zwölfte Homeless World Cup statt. Der Gastgeber Chile gewann dabei zum zweiten Mal und entthronte Brasilien. Deutschland belegte den 18. Platz.

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Ein Weg von der Straße weg zu kommen, kann der Homeless World Cup sein. Foto: Juliana Woitascheck

Seit 2003 findet jährlich der Homeless World Cup statt, die Obdachlosen-WM. Nachdem das Straßenfußball-Turnier 2013 in Polen ausgetragen wurde, wurde der Wettbewerb in diesem Jahr im südamerikanischen Chile veranstaltet. Der Gastgeber selbst setzte sich im Finale 5:2 gegen Bosnien-Herzegowina durch. Chile ist mit zwei Titeln zusammen mit Brasilien, Schottland und Italien Rekordsieger des Homeless World Cup. Die deutsche Auswahl wurde nach einer 4:10-Niederlage gegen Rumänien im Finale des sogenannten Municipalidad de Santigo Cup 18. der Weltmeisterschaft. „Wir haben eine Woche lang aufregende Spiele und leidenschaftliche Zuschauer gesehen, das kann das Leben dieser Menschen verändern“, resümiert Mel Young, Präsident des Homeless World Cup, bei zoomin.TV.

Nicht jeder Obdachlose kann mitspielen

Bei dem Turnier erhalten Obdachlose eine Chance, sich beweisen zu können. Die Teilnahme soll obdachlosen Menschen dabei helfen, in geordnete Lebensverhältnisse zurückzufinden. Ein Jahr lang werden die acht Spieler vorbereitet, um die jeweilige Nation zu vertreten. Aber nicht jeder Obdachlose kann mitspielen: Voraussetzung für eine Teilnahme ist, dass die Person mindestens 16 Jahre alt ist und noch nie zuvor an einem Homeless World Cup teilgenommen hat. Zudem muss jeder Teilnehmer im Jahr vor der Weltmeisterschaft zumindest zeitweise in Obdachlosigkeit gelebt haben, den Hauptlebensunterhalt als Straßenzeitungsverkäufer verdient haben oder Asylbewerber ohne positiven oder mit abgelehntem Bescheid gewesen sein.

Studien beweisen den Erfolg des Homeless World Cups

Die Organisatoren des Turniers holen die Obdachlosen aus ihrer gewohnten Umgebung heraus und überlassen ihnen durch den Sport Verantwortung. Und das scheinbar mit Erfolg: Studien zufolge haben angeblich rund 80 Prozent der bisherigen Teilnehmer anschließend ihr Leben besser in den Griff bekommen – etwa durch einen Drogenentzug, einer festen Wohnung, einen Ausbildungsplatz, Job oder ehrenamtliche Aufgabe in einem Verein.
„Die WM in Poznan war ein tolles Erlebnis für mich, aber deshalb verändert sich nicht automatisch das Leben danach.“, sagte Enrico Denker gegenüber welt.de. Denker war Teil der deutschen Auswahl bei der Weltmeisterschaft 2013. Er war wohnungslos, spielsüchtig und drogenabhängig, bevor er in Polen bei der WM spielte. Jetzt wohnt er mit seiner Freundin zusammen, doch die Sucht hat er noch nicht endgültig überwunden.

Informationen zum Homeless World Cup 2014
in Santiago de Chile

Zeitraum der Obdachlosen-Weltmeisterschaft 19.-26. Oktober 2014
Teilnehmeranzahl ca. 500 Frauen und Männer aus 64 Nationen
Spielanzahl ca. 350 Spiele
Größe des Feldes 22 x 16 Meter
Anzahl der Spieler je Nation 8 (1 Torhüter, 3 Feldspieler und 4 Einwechselspieler)
Wertung Sieger: 3 Punkte, Verlierer: 0 Punkte
Bei Unentschieden erhält der Sieger im Penalty 2 Punkte, der Verlierer 1

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