Vom Gefängnis auf die Straße: Torsten

Torsten, Baujahr 69, Alkoholiker, saß bis zum 19. September wegen Körperverletzung im Gefängnis und lebt seitdem auf der Straße.

Wie bist du auf der Straße gelandet?

Während meines letzten Aufenthaltes im Gefängnis habe ich erfahren, dass meine Mutter gestorben ist. Das hat mir dermaßen den Boden unter den Füßen weggehauen, dass ich mich, als ich draußen war, vor die S Bahn stürzen wollte. Mein Kumpel hat das verhindert und mich dann bei sich aufgenommen.

Von ihm aus konnte ich zu den Ämtern gehen, um mir eine Wohnung zu besorgen. Leider war er ein noch größerer Alkoholiker als ich: So habe ich lieber mit ihm gesoffen, als mich um Anträge zu kümmern. Irgendwann hat seine Alte Stress gemacht und ich bin bei ihm rausgeflogen. Seitdem habe ich keinen Kontakt mehr zu ihm und lebe auf der Straße.

Was stört dich am Leben auf der Straße am meisten?

Mich stört es, dass mir schon viele Menschen einfach so meine Schlafplätze zerstört haben. Man wird von vielen Leuten weggescheucht. Außerdem sind Flaschensammler das Letzte! Die versuchen ständig, mir meine selbst gesammelten Flaschen zu klauen.

Torsten Obdachloser Gefängnis Penner Berlin Westen Hipster Cap Bettler Supermarkt Alkoholiker Vollbart Grund Obdachlosigkeit


Wo schläfst du eigentlich?

Zurzeit schlafe ich in einem Wärmezelt für Notübernachtungen. Wenn man dort bis 21 Uhr hinkommt, bekommt man sicher einen Schlafplatz. Die haben sogar Feldbetten, das ist toll. Falls ich es nicht bis 21 Uhr dorthin schaffe, dann gehe ich zum Kältebus. Der Fahrer ist mittlerweile ein guter Freund von mir und vermittelt mir dann eine andere Unterkunft.

Wie finanzierst du dein Leben?

Ich sammle Pfandflaschen und alte Zeitungen. Die Zeitungen verkaufe ich dann oder die Leute spenden etwas. Kleidung bekomme ich aus der Kleiderkammer und die Unterkünfte, in denen ich schlafe, sind kostenlos. Wenn ich einen Arzt brauche, dann gehe ich zur Bahnhofsmission und bekomme dort Hilfe.

Was war dein schlimmstes Erlebnis auf der Straße?

Ich wurde einmal von 3 Russen grundlos verprügelt und kam ins Krankenhaus. Nach ein paar Tagen war ich aber wieder fit.

Etwas viel Schlimmeres ist mir bei der Heilsarmee passiert. Ein Freund kam herein und hat auf einmal Stunk gemacht. Er hat mir grundlos auf die Fresse gehauen. Ich habe dann mein Messer gezückt und mich verteidigt. Dabei habe ich dem Idioten die Hand aufgeschnitten. Das Gericht hat zum Glück auf Notwehr entschieden, sonst hätte ich sehr viel Zeit im Gefängnis verbringen müssen.

Hast du Pläne für deine Zukunft?

Ich habe morgen einen Termin im Jobcenter und hoffe, dass die mir endlich mal eine Wohnung vermitteln. Wenn ich die habe, möchte ich mein Leben regeln und einen Neuanfang starten. Wie der genau aussehen soll, weiß ich selbst noch nicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *