Mit Alkohol gegen die Schmerzen: Joe

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Joe – 52 Jahre alt – Musiker, Sänger, Komponist, Vocalist, lebt seit einem Jahr auf der Straße.

Wie bist du auf der Straße gelandet?
Vor nicht ganz so langer Zeit hatte ich ein schönes Leben mit meiner Verlobten – Eine schöne Wohnung, ein Auto, ein Motorrad und uns. Doch eines Tages ist sie erkrankt. und nach vier Monaten ist sie  schließlich verstorben. Mir fällt es noch immer sehr schwer, darüber zu reden. Es war ein Schock – auf einmal war unser Leben vorbei. Wir waren sechs Jahre zusammen, seit ihrem Tod bin ich abgestürzt. Und ich wurde bestohlen: Erst hat man mir meinen Labrador geklaut, dann meine erste Gitarre und dann meine zweite und dritte Gitarre – Alles als ich geschlafen habe. Es ist einfach alles weg!

Was stört dich am Leben auf der Straße am meisten?
Am meisten stören mich die Krankheiten, die man sich einfängt. Dass man nicht behandelt wird, weil man nicht versichert ist. Es gibt Ambulanzen, aber die haben keine Hautärzte und seitdem ich auf der Straße lebe, habe ich eine Hautkrankheit: Die Schleppe (Impetigo contagiosa, Anm. der Red.), die riesige Wunden verursacht.
Weil ich keine Rechnungen bezahlen kann, nehmen die Krankenhäuser mich nicht auf und schicken mich weg. Ich habe schreckliche Schmerzen und da mich niemand behandeln will, trinke ich Schnaps und anderen Alkohol. So muss ich nicht mit den Schmerzen leben. Vor meiner Zeit auf der Straße habe ich gar keinen Alkohol getrunken.

Wo schläfst du eigentlich?
Ich schlafe auf der Straße. Ich möchte nicht in einer Obdachlosenunterkunft übernachten, weil dort 40 Personen in einem Raum ohne Fenster schlafen. Da kann man sich schon vorstellen wie es stinkt. Außerdem schnarchen viele, das halte ich nichts aus.

Wie finanzierst du dein Leben?
Ich verdiene Geld mit dem Betteln, viele Passanten kommen vorbei und geben mir etwas Kleingeld.

 

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Was war dein schlimmstes Erlebnis auf der Straße?
Ich wurde am Hauptbahnhof von sechs Männern zusammen geschlagen. Sie haben die ganze Zeit auf mich eingetreten, in den Bauch, in die Rippen und mit der Stahlkappe ins linke Auge. Das Auge war danach so dick, dass es blau und grün anschwoll. Anfangs dachte ich, dass es nur ein Veilchen sei. Ich bin dann zwei Tage damit rumgelaufen, aber als ich mir die Nase putzen wollte, kam das Auge durch den Druck herausgeflogen.
Das Jochbein und der Augenknochen waren gebrochen, sodass der Luftdruck durch das Nase putzen hinter das Auge gelangt ist und es mit einem Ruck rausgedrückt hat. Mit Blaulicht wurde ich ins Krankenhaus eingeliefert und die wollten mir das Auge amputieren. Das habe ich abgelehnt, stattdessen habe ich es gleich selber rein gedrückt – und nun sehe ich alles wieder gut.

Hast du Pläne für deine Zukunft?
Ich treffe mich Mitte Dezember mit einem guten Freund von mir, ein berühmter Musiker. Er will mir wieder auf die Beine helfen. Er weiss, dass ich gut singen kann und glaubt an mich.

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