Pegel rauf, Penner raus

Der Winter ist für Obdachlose die härteste Zeit des Jahres. Auf etwa 4.000 Obdachlose in Berlin kommen nur 500 Schlafplätze in Notunterkünften. Der Rest muss sich eigenständig alternative Nachtlager suchen. Neben U-Bahnhöfen und der S-Bahn sind SB-Zonen in Bankfilialen ein beliebter Schlafplatz. Doch der Berliner Commerzbank stinkt das gewaltig.

Bitte draußen bleiben

Viele SB-Zonen werden im Winter über Nacht geschlossen, um gar nicht erst Gefahr zu laufen, dass sich Obdachlose dort schlafen legen könnten. Ein Pressesprecher der Commerzbank kommentierte dieses Vorgehen wie folgt:

Wir möchten die SB-Zonen in Berlin für unsere Kunden offen halten. Leider nutzen nachts in der kalten Jahreszeit jedoch häufig Personen oder Gruppen bestimmte SB-Zonen als Aufenthaltsraum. Das verunsichert viele Kunden beim Geldabheben und führt immer wieder zu Beschwerden, Verunreinigungen und Sachschäden. Wir haben nach sorgfältiger Abwägung deshalb wie andere Berliner Institute auch entschieden, wiederholt betroffene SB-Zonen im Winter nachts zu schließen.

Neujahrsvorsatz: Mehr Musik, weniger Obdachlose

Um nicht alle Filialen nachts schließen zu müssen, begann Anfang 2015 ein ganz spezieller musikalischer Testlauf. Wer die Commerzbank-Filialen am Mehringdamm oder an  der Schönhauser Allee besucht hat, wird festgestellt haben, dass dort nach 20 Uhr nun Musik läuft. Diese Musik dient aber nicht etwa dazu, die Kunden auf die anstehende Partynacht einzustimmen, sondern viel mehr dazu, ungebetene Gäste fernzuhalten. Dazu wurden in den Filialen jeweils zwei Lautsprecher installiert, die nachts Musik spielen. Laut genug, um ungebetene Gäste dank der Dauerbeschallung zu vertreiben, doch nicht so laut, dass Kunden sich gestört fühlen könnten. Demnach ist es trotzt der  Beschallung weiterhin möglich in den SB-Zonen zu übernachten, anstatt draußen der Kälte ausgesetzt zu sein. Außerdem ist es auch möglich die Ohren zu verdecken, um weniger bzw. gar keine Musik mehr zu hören.

Testlauf gescheitert

Diese Tatsache bedeutet, dass das Projekt der Commerzbank offenbar gescheitert ist. Der Pressesprecher der Commerzbank Berlin kommentierte die im Februar beendete Testphase folgendermaßen:

Nach einer ersten Einschätzung hat der inzwischen beendete Test nicht zu den erhofften Ereignissen geführt.

Wir sind gespannt, wie es weitergeht mit dem Projekt „Pegel rauf, Penner raus“.

1 Response

  1. irini sagt:

    Ganz ganz toller artikel :)

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