Peter: Obdachlose haben keine Rechte

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Peter, 55 Jahre alt, lebt seit drei Jahren auf der Straße.

Wie bist du auf der Straße gelandet?

Alles hat damit angefangen, dass meine Frau und ich getrennt haben. Nach der Scheidung bin ich nach Holland gereist und habe dort zwölfeinhalb Jahre gearbeitet. Jetzt bin ich zurück in Berlin, nachdem mein Arbeitgeber in Holland mich vor die Tür gesetzt hat. Irgendwann ging mir das Geld aus, und heute lebe ich auf der Straße.

Was stört dich am Leben auf der Straße am meisten?

Darüber will ich lieber nicht reden, das ist ein schwieriges Thema.

Wo schläfst du eigentlich?

Ich schlafe in einem großen Zelt, das für uns Obdachlosen bereit gestellt wurde. Das ist so etwas wie eine Notunterkunft  – und da schlafe ich aktuell. Von neun Uhr abends bis sechs Uhr früh. Aber nur im Winter, ist ja schließlich eine Notunterkunft.

Wie finanzierst du dein Leben?

Mit Flaschensammeln! Ich bettle nicht, ich sammle nur meine Flaschen. Ich bekomme auch keine Unterstützung vom Sozialamt, das wollte ich nicht. Ich dürfte sicherlich das ein oder andere beantragen, aber wie gesagt: Das möchte ich wirklich nicht.

Was war dein schlimmstes Erlebnis auf der Straße?

Eines Nachts wurde ich beim Schlafen überfallen und ausgeraubt. Acht Mann waren das, Jugendliche, 16- oder 17-Jährige – all meine Pfandflaschen haben sie mir gestohlen. Das war mein schlimmstes Erlebnis, hier am Bahnhof Zoo. Gegen sechs oder sieben Angreifer kann ich mich nicht wehren. Man schläft – und trinkt gelegentlich auch mal abends – und dann passiert sowas. Das ist einfach Pech!

Da braucht man auch nicht zur Polizei gehen. Als Obdachloser hat man hier keine Rechte! Naja… Rechte hat man schon, aber am Ende gibt es nur eine Anzeige gegen Unbekannt. Da konnte ich nur sagen: So und so viele waren es, und so sahen zwei von den Tätern aus. Solche Sachen verlaufen dann sowieso im Sand.

Hast du Pläne für deine Zukunft?

(lacht) Pläne für die Zukunft!? Ich bin jetzt 55 Jahre alt und brauche noch zehn Jahre bis ich meine Rente kriege, falls ich bis dahin noch lebe. Die Rente ist nichts besonders groß, aber wenn ich irgendwann meine 800 Euro Rente bekomme, dann kann ich mir wieder eine eigene Wohnung besorgen – und gut ist. Mal sehen, ob ich die zehn Jahre überlebe!

1 Response

  1. Anna S. sagt:

    Hallo Peter, ich würde Dir gerne helfen wieder eine Wohnung zu erlangen. Es ist wirklich keine Schande staatliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, privat sowie beruflich habe ich mit wohnungslosen Menschen zu tun und kann Dir daher sagen das Du Hilfe bekommst, trau Dich sie anzunehmen. Der erste Schritt ist schwer, das weiß ich aber es lohnt sich ich möchte nicht irgendwann hier lesen das Du es nicht bis zur Rente geschafft hast! Ich denke an Dich, Du kannst mich über die Seite erreichen ich hinterlasse meine Kontaktdaten, liebe Grüße Anna

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