Nikolai: Schutzlos auf der Straße

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Symbolbild, Foto: Juliana Woitascheck

 

Nikolai ist 37 Jahre alt und kommt aus Bamberg. Seit 11 Jahren lebt er in Berlin – schutzlos, auf der Straße.


Wie bist du auf der Straße gelandet?

Der Grund war ganz lapidar. Der Vermieter mochte wohl keine Katzen. Dabei sind die so kuschelig und lieb, auch leise und unaufdringlich. Doch wir mussten raus. Das war vor 11 Jahren im Winter 2003 in Bamberg. Da ich unter einem Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom leide, konnte ich mich kaum dagegen wehren. Mir fällt es schwer, mich auf wichtige Dinge zu konzentrieren.


Was stört dich am Leben auf der Straße am meisten?

Auf der Straße bin ich jeden Tag der Unsicherheit ausgeliefert. Ich bin jedes Mal, wenn ich schlafe, schutzlos der Umwelt ausgesetzt. Niemand beschützt mich, während ich schlafe. Da passieren mir die schlimmsten Dinge, die sich sonst keiner vorstellen kann. Da ist Anspucken noch das normalste, aber auch daran habe ich mich inzwischen gewöhnt. Es hat einfach niemand Respekt, nicht ein kleines bisschen. Und Hygiene ist mir auch wichtig, aber ich kann nur selten irgendwo duschen. Das kostet auch Geld, das ich selten habe.


Wo schläfst du eigentlich momentan?

Jeder Tag ist eine neue Herausforderung. Mein Schlafplatz ist an einem Tag die Parkbank, auch schlafe ich mal für eine halbe Stunde in der U-Bahn. Manchmal lässt mich sogar ein Kneipenwirt in Ruhe am Tisch schlafen. Mein Schlaf ist oft nur kurz.


Wie finanzierst du dein Leben?

Ich versuche mein Geld auf ehrliche Weise zu verdienen. Wenn mir jemand einfach nur Geld gibt, habe ich ein schlechtes Gewissen. Mein größter Wunsch ist es, eine richtige Arbeit zu haben, um endlich mal wieder neue Unterwäsche zu kaufen.


Was war dein bisher schlimmstes Erlebnis auf der Straße?

Wie gesagt, während ich schlafe werde ich auch schon mal angepinkelt. Und mir wurde auch schon Urin eingeflößt. Nachts machen die auf der Straße mit dir, was sie wollen – da bist du einfach schutzlos. Die haben keinen Respekt. Ich schlafe deshalb selten lang.


Hast du Pläne für die Zukunft?

Gerade habe ich ein Arbeitsangebot bekommen. Das will ich auch machen, ich will arbeiten. Um endlich wieder ein angenehmeres, ehrliches Leben zu leben. 11 Jahre Straße sind die Hölle, da will ich unbedingt raus.

2 Responses

  1. Sarah W. sagt:

    „Was heißt frieren“ hat bei Facebook ordentlich die Menschen wachgerüttelt. Ich rate sehr dazu, diese Homepage mit dem Team von Was heißt frieren zu verknüpfen.
    Der Artikel über Nikolai zeigt zum Beispiel auf, wie schnell man in die Obdachlosigkeit hineinrutschen kann.
    Das ist dem OttoNormalVerbraucher nicht so bewusst, denke ich.

    Ich hoffe, dass noch viele Menschen eure Seite zu Gesicht bekommen.
    Habe diesen Artikel mit dem Hashtag zur Was heißt frieren-Aktion bei Facebook geteilt und hoffe auf Anklang.

    Danke für die Seite.

    MfG

  2. Diana sagt:

    Ich bin durch den Blog flussperle.com auf die Seite hier gestoßen und habe mir die einzelnen Geschichten und Schicksale durchgelesen. Mich würde mal eine Umfrage interessieren zwecks Respekt und Gewalt von Mitmenschen gegenüber Obdachlosen je Bundesland. Ich bin völlig schockiert darüber, dass es solche Menschen gibt, die Obdachlose anpinkeln, schlagen, anspucken oder ähnliches. :(

    Liebe Grüße

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