Ausstellung „Die Unsichtbaren“ – Berlin Hauptbahnhof

 

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Obdachlose im Fokus – Foto: Sarah Keil

Reisende in Berlin kennen sie nur als unangenehme Bettler. Sie schlüpfen in die S-Bahn oder U-Bahn, um einen Straßenfeger, eine Motz oder einen Pappbecher hinzuhalten. Dazu sagen sie ihren Text auf, der Aufmerksamkeit und Gemüter erregt.

Manche Fahrgäste rollen genervt die Augen, andere drehen ihre Musik lauter, schauen verschämt weg oder fangen sogar zu pöbeln an. Nur eine Station, dann sind sie wieder weg.

Wo Obdachlose nachts schlafen

Im Berliner Hauptbahnhof zeigt eine Sonderausstellung Bilder und Kommentare Obdachloser. Fotograf Reto Klar und Autorin Uta Keseling haben sie portraitiert: Frauen, Männer, Junge und Alte, die auf der Straße leben, haben ihre Geschichte erzählt. Sie haben keine Wohnung, keine Arbeit und kein schönes Leben. Die Ausstellung macht aufmerksam auf die sonst Unbeachteten dieser Wohlstandsgesellschaft.

Die etwa drei Meter hohen Aufsteller ähneln einer Gedenktafel. Es gibt keine Farbtupfer. Die Schrift ist in Weiß, der Hintergrund in Schwarz gehalten. Die Portraitfotos sind beinahe schön anzusehen, wenn der Ernst der Lage nicht so traurig wäre. Die Menschen verweilen gerührt vor und zwischen den Tafeln. Sie sind still. Dieses Mal pöbelt niemand, keiner schaut verschämt weg.

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Ausstellung „Die Unsichtbaren“ Berlin Hbf – Foto: Sarah Keil

Auch ich stelle erstaunt fest, sehr berührt von der Ausstellung zu sein. Es tut mir leid, dass ich sonst eine Ablehnungshaltung hatte. Viel aufmerksamer als sonst nehme ich die Obdachlosen um mich herum wahr. Aber wie reagiere ich zukünftig auf Anfragen nach einem Straßenfeger? Rümpfe ich trotzdem die Nase, wenn ein stark angetrunkener Obdachloser mich nach Kleingeld fragt? Ich denke schon, aber jetzt denke ich einmal mehr nach, wie schwer es Wohnungslose haben, besonders im Winter. In Berlin sind die Hilfseinrichtungen auf Spenden und ehrenamtliche Unterstützung angewiesen.

Diese Ausstellung schafft es, anonym zu sein. Die Lebensgeschichte Obdachloser zu erfahren, ohne ihnen wahrhaftig gegenüber zu stehen. Keine Unannehmlichkeiten außer dem eigenen Gewissen. Um dieses zu beruhigen und zu helfen, wo es wirklich lebensnotwendig ist, haben wir vom unbeachtet Magazin eine Reihe an Spenden- und Unterstützungsmöglichkeiten aufgelistet.

Eines ist darauf hin gewiss: Die Dankbarkeit derer, die es zu schätzen wissen.

Weitere Stationen der Ausstellung:

  • Berlin Hauptbahnhof: 24. – 30. November 2014
  • Görlitz Hauptbahnhof: 8. – 16. Januar 2015
  • Essen Hauptbahnhof: 20. – 30. Januar 2015
  • Frankfurt Hauptbahnhof: 2. – 11. Februar 2015
  • Bahnhof Hamburg Dammtor: 16. – 26. Februar 2015

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